Du öffnest die Augen
Wieder Dunkelheit, Kälte und Gestank.
Du gähnst und gibst einen leisen Seufzer von dir.
Dann hörst du lange schlurfende Schritte
Du wedelst, doch als durch den Spalt der Tür ein Lichtstrahl scheint,kneifst du die Augen vor Schmerz zusammen.
Augenblicklich erlischt der Lufthauch,
der noch eben deine Rute umgab.
Du liegst da auf dem kalten, feuchten Boden.
Da ist er wieder, er der immer zu dir kommt.
Er stellt dir eine Schüssel hin und verlässt dich wieder.
Du hörst das klappern des Schlüssels.
Entkräftet schleppst du dich zum Napf.
Deine Nase nimmt kaum noch etwas war, denn dieser Sinn ist durch den Gestank der Umgebung getrübt.
Doch heute nimmst du eine verdeckte Spur war.
Eine Spur die du nicht kennst, doch die deine Nase so sehr reizt , dass du niesen musst.
Beizender Geruch, der in deinen Kopf steigt und dort einen stechenden Schmerz auslöst.
Angewidert drehst du dich weg vom Napf.
Du legst deinen Kopf zwischen die Vorderpfoten und schläfst wieder ein.
Aufgeregtes Zucken mit den Pfoten, sowie dein wedelnder Schwanz zeigen du schläfst tief.
Du träumst. Träumst du von deiner Mutter, deinen Geschwistern?
Von einem Hasen den du im Feld verfolgtest?
Oder von einem Bällchen, dass vor deiner Nase hin und her gerollt wurde?
Du spitzt die Ohren.
Wieder diese Schritte.
Heute noch länger und schlurfender.
Ein leichtes Wedeln.
Ruhe.
Schlüsselklappern.
Knarren der alten Tür.
Lauter als sonst.
Wieder ist er da.
Heute spricht er das erste mal mit dir.
Seine tiefe Stimme macht dir Angst.
Du kneifst den Schwanz ein.
Seine Stimme tut dir weh.
Du winselst vor Schmerz.
Er kommt auf dich zu, du schaust zu ihm hoch.
So wie du immer zu ihm aufgeschaut hast.
Heute tritt er dich, heute schlägt er dich, heute ist alles anders als sonst.
Dein Geist möchte, doch dein Körper ist zu schwach.
Du zwängst dir ein jaulenden Schmerzensschrei heraus.
Als er fertig ist lässt er dich fallen und du sackst auf dem nassen, kalten Boden zusammen.
Er geht schmeißt die Tür zu.
Du hörst ihn reden: „Mistköter, 30 Ratten wären krepiert, das räudige Viech frißt nicht.“
Du schläfst ein.
Du träumst wieder, doch diesmal kein Wedeln und kein freudiges Bellen im Traum.
Erschrocken wachst du auf.
Du erinnerst dich. Du hast gefressen vom beizenden Geruch, du hast Schmerzen gehabt und du bist für immer eingeschlafen.
Ein Tropfen fällt auf deine Nase.
Du lebst noch.
Noch mal diese Schmerzen, diese Qualen, diesen Pein erträgst du nicht.
Noch mal durch den Geruch sterben willst du nicht.
Da, wieder Schritte.
Du hörst nicht mehr hin.
Die Tür geht auf.
Mit letzter Kraft stemmst du dich auf. Läufst auf die Tür zu.
Springst ihn an. Er fällt zu Boden. Mit deinen erlöschenden Kräften legst du deine Kiefer an seine Kehle und drückst sie zusammen.
Du bleibst so liegen.
Sehr lange.
Für ewig.